Barenboims Hommage an Boulez
Ist Pierre Boulez ein Komponist und Dirigent? Oder eher ein Dirigent und Komponist? Die Konzertreihe, mit der die Staatsoper unter den Linden den Franzosen zu seinem 80. Geburtstag am 26. März ehrt, macht die Entscheidung nicht leicht.
Boulez gilt neben Komponisten wie Nono, Stockhausen und Ligeti als wegweisender Vertreter der Neuen Musik des 20. Jahrhunderts. Zugleich hat er sich als Dirigent ein umfangreiches Repertoire mit klaren Schwerpunkten erarbeitet. Die Auseinandersetzung etwa mit Wagner, Mahler, Debussy, Ravel oder Strawinsky zieht sich wie ein roter Faden durch sein Schaffen.
Diese Zusammenarbeit entfaltet besondere Energie, wenn beide Künstler zusammen auf der Bühne sind. Am Freitagabend führten Boulez und Barenboim in der Berliner Philharmonie mit dem Chicago Symphony Orchestra das «Klavierkonzert Nr.1» von Béla Bartók aus dem Jahr 1926 auf. Wie bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt 1964 in Berlin stand Boulez am Pult, Barenboim übernahm den Klavierpart.
Mit großer Präzision und Transparenz führte Boulez die Musiker durch das diffizile Werk und erreichte perfekte Übereinstimmung. Dem Orchester und dem Solisten gelang es, das Beunruhigende, Dissonante in Bartóks Werk fassbar zu machen. Das Publikum spendete begeisterten Applaus, neben Boulez wurde auch Barenboim enthusiastisch gefeiert. Der dankte es dem Maestro mit einer kleinen Sondereinlage zum Geburtstag - und trat nun kurz als Dirigent auf.
Eingerahmt wurde das Klavierkonzert von Bartóks «Vier Orchesterstücken» (1912) und dem «Konzert für Orchester» (1943).
Am Karsamstag spielte das Chicago Symphony Orchestra unter Barenboims Leitung Bartóks «Klavierkonzert Nr.3» und Gustav Mahlers «Sinfonie Nr. 9». Am Klavier: Mitsuko Uchida.
Am Ostersonntag führt Boulez mit der Staatskapelle Berlin Mahlers «Auferstehungs-Sinfonie» auf. Den Abschluss der «Hommage» bilden am Abend Werke von Boulez: Er selbst dirigiert «Anthèmes» und «Sur Incises», es musiziert das von ihm gegründete Ensemble Intercontemporain. Dann folgen die «Notations» mit Barenboim und der Staatskapelle.

