23.01.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Malakhov als 'Narziss'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Zu mehreren Gala-Abenden holt Ballett-Intendant Malakhov internationale Stars nach Berlin - und lässt sich als Tänzer und Gastgeber feiern.
Von Corina KolbeBei der Premiere seiner Gala an der Deutschen Oper Berlin hat Vladimir Malakhov gleich doppelten Applaus bekommen: Als Tänzer brillierte er in einigen seiner schönsten Rollen, als Intendant des Staatsballetts präsentierte er die besten Solisten seiner Compagnie und viele auswärtige Stars.
Das Programm von «Malakhov & Friends» reicht von Klassikern wie «Dornröschen» und «Le Corsaire» bis hin zu modernen Choreografien von Roland Petit und David Parsons. Ein «best of» des Balletts, präsentiert in leicht verdaulichen Häppchen: Malakhov scheint der schwierige Spagat zwischen Unterhaltung und künstlerischem Anspruch gelungen zu sein. Jedenfalls gab es viel Zwischenapplaus und zum Schluss
standing ovations.
In «Le spectre de la rose» wirkt der Russe wie eine perfekte Reinkarnation des legendären Waslaw Nijinsky, der das Stück einst für Diaghilews Ballets Russes getanzt hatte. Auf den Leib geschneidert ist Malakhov auch die Rolle des «Narziss». Die Liebesgesten, mit denen er sein eigenes Spiegelbild umwirbt, werden zugleich als Schattenspiel an die Bühnenwand projiziert.
Slawischer Tanz und Jacques BrelÜberhaupt haben die Männer an diesem Abend spektakulärere Soloauftritte als die Frauen. Enthusiastisch reagiert das Publikum auf Dinu Tamazclaru, der mit viel Temperament und Akrobatik einen ukrainischen Volkstanz hinlegt. Marcin Krajewski interpretiert mit schnoddrigen Gesten, eine Zigarette im Mundwinkel, das Chanson «Les bourgeois» von Jacques Brel. Die Showeffekte sind allerdings wohl dosiert nie artet die Vorstellung in Klamauk aus.
Eines der eindringlichsten Stücke des Abends ist «La Prisonnière» aus Roland Petits Ballett «Les intermittences du coeur», das sich an Marcel Prousts «Suche nach der verlorenen Zeit» inspiriert. Um die verzweifelte Liebe des Erzählers zu dem Mädchen Albertine geht es in dem
Pas de deux, den Lucia Lacarra und Cyril Pierre vom Bayerischen Staatsballett zu Musik von Camille Saint-Saëns ausdrucksvoll interpretieren.
Stroboskopische EffekteAls Prinzenpaar in «Dornröschen» und zu Tangoklängen in einer zeitgenössischen Choreografie von Rolando dAlesio präsentieren sich Friedemann Vogel vom Stuttgarter Ballett und die Erste Solotänzerin am Berliner Staatsballett, Polina Semionova, die erst kürzlich mit dem Daphne-Preis geehrt wurde.
Zum Schluss gehört die Szene wieder ganz Malakhov, der sich mit besonderen optischen Effekten verabschiedet. Wie auf einer Disko-Tanzfläche wird er durch Laser stroboskopisch «angeblitzt», wodurch er über die Bühne zu schweben scheint.
Auf die nächsten Aufführungen kann man gespannt sein. Am 4. Februar sind erstmals auch die beiden Startänzer der Pariser Oper, Aurélie Dupont und Manuel Legris, mit dabei.
Weitere Vorstellungen von «Malakhov & Friends» finden am 4.2, 11.2, 14.3, 24.3, 16.5 und 20.5.2005 in der Deutschen Oper Berlin statt.