Er selbst habe auch einige Zeit gebraucht, bis er habe sprechen können: «Ich war ab 1923 mehrere Jahre Analphabet», gestand der 80-Jährige. Schon aus dem Kinderwagen heraus habe ihn jedoch fasziniert, was Sprache bewirken könne. So habe er regelmäßig eine benachbarte Infanterieeinheit beobachten können. «Ein einziger Laut reichte, um 50 Männer in Bewegung zu setzen», stellte er fest. Von Bülow sagte, er kenne sich in Sachen Sprache mittlerweile hervorragend aus, weil er sich Jahrzehnte seines Privat- und Berufslebens der Kommunikation zwischen den Geschlechtern gewidmet habe. «Es gibt die irrtümliche Annahme, dass Frauen und Männer dieselbe Sprache sprechen», sagte er. Oft reichten aber Jahrzehnte des Zusammenlebens nicht aus, um alle sprachlichen Variationen aufzuspüren.
«Gewicht, Frisur, Migräne»
Der Mann verfüge nur über ein altes, starres Denkschema - die weibliche Logik berücksichtige in ihrer Kommunikation noch «Gewicht, Frisur, Migräne, Hass und Liebe». Die Frau denke analog, der Mann digital. «Ich weiß nicht, was es heißt, aber ich behaupte es einmal», sagte Loriot.
Vicco von Bülow ist nach Rolf Hochhuth, Ludmila Putina und Christian Meier der vierte Träger des höchstdotierten deutschen Sprachpreises. Er wird seit 2001 von der Eberhard-Schöck-Stiftung, der Theo-Münch-Stiftung und dem Verein Deutsche Sprache an Persönlichkeiten vergeben, die sich in besonderem Maße um die Anerkennung, Weiterentwicklung und Pflege des Deutschen verdient gemacht haben.