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Loriot mit Jacob-Grimm-Preis geehrt

30. Okt 2004 21:21
Vicco von Bülow im vergangenen Jahr
Für seine Verdienste um die populäre Kulturszene hat der als Loriot bekannte Humorist von Bülow den Jacob-Grimm-Preis erhalten. Er bedankte sich mit einer launigen Rede über die Entwicklung der Sprache.

Der Satiriker Vicco von Bülow alias Loriot hat am Samstag in Kassel den Jacob-Grimm-Preis erhalten. Jury-Sprecher Helmut Glück begründete die Entscheidung mit Loriots Gabe, als Schauspieler, Zeichner und Schriftsteller in fast allen Genres der populären Kulturszene Akzente zu setzen. «Er hat eine Art von Humor entwickelt, der nicht zuletzt durch seine Sprache in Deutschland prägend geworden ist», sagte Glück.

Mehr in der Netzeitung:
  • Loriot erhält Jacob-Grimm-Preis 04. Mai 2004 15:19
  • Der Ehrengeehrte 12. Nov 2003 11:17
  • Der mit 35.000 Euro dotierte Jacob-Grimm-Preis ist Teil des Kulturpreises der Deutschen Sprache. Loriot bedankte sich mit einer kleinen Rede über die Entwicklung der Sprache. «Mit Sicherheit war das Leben als Lurch unter Wasser vor Jahrmillionen Jahren sprachlich unergiebig», sagte er. Erst der Homo Sapiens habe mit einer dumpfen, stoßweisen Ausdrucksweise zu sprechen begonnen.

    Einstiger Analphabet

    Er selbst habe auch einige Zeit gebraucht, bis er habe sprechen können: «Ich war ab 1923 mehrere Jahre Analphabet», gestand der 80-Jährige. Schon aus dem Kinderwagen heraus habe ihn jedoch fasziniert, was Sprache bewirken könne. So habe er regelmäßig eine benachbarte Infanterieeinheit beobachten können. «Ein einziger Laut reichte, um 50 Männer in Bewegung zu setzen», stellte er fest.

    Von Bülow sagte, er kenne sich in Sachen Sprache mittlerweile hervorragend aus, weil er sich Jahrzehnte seines Privat- und Berufslebens der Kommunikation zwischen den Geschlechtern gewidmet habe. «Es gibt die irrtümliche Annahme, dass Frauen und Männer dieselbe Sprache sprechen», sagte er. Oft reichten aber Jahrzehnte des Zusammenlebens nicht aus, um alle sprachlichen Variationen aufzuspüren.
    «Gewicht, Frisur, Migräne»
    Der Mann verfüge nur über ein altes, starres Denkschema - die weibliche Logik berücksichtige in ihrer Kommunikation noch «Gewicht, Frisur, Migräne, Hass und Liebe». Die Frau denke analog, der Mann digital. «Ich weiß nicht, was es heißt, aber ich behaupte es einmal», sagte Loriot.

    Vicco von Bülow ist nach Rolf Hochhuth, Ludmila Putina und Christian Meier der vierte Träger des höchstdotierten deutschen Sprachpreises. Er wird seit 2001 von der Eberhard-Schöck-Stiftung, der Theo-Münch-Stiftung und dem Verein Deutsche Sprache an Persönlichkeiten vergeben, die sich in besonderem Maße um die Anerkennung, Weiterentwicklung und Pflege des Deutschen verdient gemacht haben.

    Weitere Preisträger

    Der Kulturpreis Deutsche Sprache umfasst neben dem Jacob-Grimm-Preis zwei weitere Teilpreise. Der mit 5.000 Euro dotierte Initiativpreis Deutsche Sprache geht an die Gründer des Netzwerks für deutschsprachige Musik, Literatur und deutschen Film, Deville Schober und Peter Schlenter. Sie hätten mit ihrer Website www.irgendwo-in.de, der Herausgabe der gleichnamigen Zeitschrift und der Förderung von jungen Künstlern maßgebliche Impulse in der deutschsprachigen Kulturszene gegeben.

    Den undotierten Institutionenpreis Deutsche Sprache erhielt die Redaktion der «Stuttgarter Zeitung». Sie habe es mit publizistischen Mitteln erreicht, in ihrer Leserschaft eine weit reichende Diskussion über den Gebrauch von Anglizismen im Deutschen anzuregen, erklärte die Jury.(nz)

     
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