11. Mai 2004 09:08
Vor 200 Jahren wurde Schillers «Wilhelm Tell» in Weimar uraufgeführt. Schriftsteller Rolf Hochhuth hält eine Gedenkrede auf das Stück, das von Hitler persönlich verboten wurde.
Schriftsteller Rolf Hochhuth wird am Sonntag im Maxim Gorki Theater in Berlin eine Gedenkrede auf Schillers «Wilhelm Tell» halten. Das teilte die Akademie der Künste in Berlin mit. Hochhuth will nach Angaben des Theaters unter anderem davon sprechen, wie Hitler das Stück «Wilhelm Tell» verbot, weil der «Schweizer Heckenschütze» ihn mehrfach «in akute Lebensgefahr» gebracht habe. Schiller sei somit «der einzige Klassiker, dem die Ehre zuteil wurde, von Hitler persönlich verboten zu werden», so das Theater.
Johann Wolfgang Goethe (1749–1832), einer der Wegbereiter der europaweiten Alpenbegeisterung, hat bei seiner dritten Schweizer Reise 1797 – knapp ein halbes Jahr vor den gewaltigen Umwälzungen in der alten Eidgenossenschaft – am Vierwaldstättersee den Tell-Stoff für die deutsche Klassik entdeckt.
Die Aufzeichnungen und der umfangreiche Briefwechsel zum Tell sind Zeugnisse der fruchtbaren Arbeitsfreundschaft zwischen Schiller und Goethe, dem Direktor des Weimarer Hoftheaters. Sie besprachen die Anlage des Stückes, und Schiller, der die Schweiz nie gesehen hatte, stützte sich bei den lokalen Schilderungen auch auf Goethes Berichte. Die Uraufführung unter Goethes Leitung am 17. März 1804 löste ein enormes Echo aus. Wilhelm Tell – Schillers letztes vollendetes Stück – hatte in einer Zeit des Umbruchs die Menschen unmittelbar berührt. (nz)