netzeitung.deMailänder Theater bringt Satire auf Berlusconi

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Das Piccolo Teatro in Mailand führt eine Satire auf Ministerpräsident Berlusconi auf. Befürchtete Zensurmaßnahmen blieben aus.

Auf dem kommenden Spielplan des Piccolo Teatro in Mailand steht ein neues Stück des erfolgreichen Autorenduos Dario Fo und Franca Rame. «L' anomalo bicefalo» (Der anomale Doppelkopf), eine Satire auf den politischen und wirtschaftlichen Aufstieg des Regierungschefs und Medienunternehmers Silvio Berlusconi, löste schon im Vorfeld eine heftige Debatte aus.

In einem offenen Brief an den «Corriere della Sera» hatte Theaterdirektor Sergio Escobar die Befürchtung geäußert, dass das Stück nicht aufgeführt werden könne. «Freunde» des Verwaltungsrats des Theaters hätten nahe gelegt, die Vorstellungen abzusagen, schrieb er.

Fo und Rame warnten vor Zensur
Fo und Rame wiederum beschwerten sich darüber, dass sie dem Verwaltungsrat den Text zur Kontrolle vorlegen sollten. Es liege etwas in der Luft, warnten der frühere Literatur-Nobelpreisträger und seine Frau. Die Regierung wolle die Meinungsfreiheit unterdrücken.

Die Aufregung im Land war groß. Schließlich hatte im Mai vergangenen Jahres bereits ein Abgeordneter der Regierungspartei Forza Italia durchgesetzt, dass der Regisseur Luca Ronconi eine Inszenierung im Griechischen Theater von Syrakus änderte.

Streit um antikes Drama
In dem antiken Drama «Die Frösche» von Aristofanes sollten Karikaturen von Berlusconi sowie seinen Koalitionspartnern Gianfranco Fini und Umberto Bossi auf die Bühne gebracht werden. Ronconi beugte sich schließlich dem Druck und ließ die Plakate entfernen. Berlusconi stritt daraufhin aufs heftigste ab, dass es in Italien eine Zensur gebe. Die Regierung wisse noch nicht einmal, was das sei, betonte er. Der Skandal war jedoch da.

Diesmal schaltete sich sogar die Ehefrau des Premiers, Veronica Lario, in die Kontroverse ein. Die Satire auf ihren Mann sei ein «Spiel» und Zensur «eine schreckliche und ungerechte Sache», ließ sie mitteilen.

Der Verwaltungsrat des Piccolo Teatro beendete die Diskussion damit, dass er «L' Anomalo Bicefalo» auf den regulären Spielplan setzte. Der Schwarze Peter wurde nun Dario Fo zugeschoben: Dieser habe zuerst den Stein geworfen und dann seine Hand versteckt, hieß es. Zu keinem Zeitpunkt sei wegen des Stücks Druck auf das Theater ausgeübt worden.

«L'Anomalo Bicefalo» soll am 18. November in der Arena del Sole in Bologna Premiere haben. Anschließend sind Gastspiele in Rom, Verona, Triest und Neapel geplant. Ab Januar steht das Stück auch auf dem Spielplan des Piccolo Teatro.


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