Altpapier vom Donnerstag
21.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Der seit einer Nazi-Attacke querschnittsgelähmte Noël Martin stellte gute Fragen, außer den hiergenannten Gästen war auch eine Aussteigerin aus der rechtextremen Szene zugegen, die mit Mord bedroht wird und sich daher nur «optisch verändert» zeigte.
Bedrückend wurde Bedrohlichkeit spürbar. Fast hätte auch noch NPD-Mann Udo Voigt dort gesessen.
Michel Friedman plädierte dafür, sich «öffentlich mit einem NPD-Vertreter auseinander zu setzen». Doch der Maischberger-Sender WDR hatte Voigt «ein-, dann wieder ausgeladen».
«Unser Format als Unterhaltungssendung ist nicht das Richtige», sagte der
'taz' Redaktionsleiter Carsten Wiese dazu.Zur Frage nach dem Umgang mit den «Repräsentanten in Braun» hat Steffen Grimberg einige Experten befragt.
Frank Plasberg spricht von «Mitleidseffekten», die sich der «Wirkungspsychologie» des Fernsehens wegen nicht verhindern ließen, und will keine Rechtsextremen einladen.
Claus Strunz, der gemeinsam mit Peter Glotz Voigt schon mal in einer Talksendung hatte, meint: «Es kann journalistisch funktionieren», durch «beharrliches Nachfragen und Ausredenlassen» im «direkten Streitgespräch».
Es gibt zur aktuellen TV-Berichterstattung eine «Wahlbetrachtung» Voigts auf der NPD-Webseite, aus der die «taz» auch zitiert. Weil weggucken nichts hilft:
Hier ist der Link.«ARD bekommt kalte Füße?», lautet die Überschrift. Gleich im ersten Absatz empört sich Voigt, «daß wir für solche unsachlichen Gestalten auch noch Fernsehgebühren zahlen müssen».
Es spricht natürlich für die ARD, dass sich die ganze Gesellschaft bis an die äußersten Ränder über sie erregt. Umso sichtiger wäre, dass die ARD Kompetenz und Haltung beweist und sich nicht immer auf «Unterhaltung» zurückzieht.
In diesen Hinsichten gibt es leider gerade viel Luft nach oben. Heute auf fast allen Medienseiten: Meldungen, wonach noch ungewiss sei, ob der vielfach umstrittene Sportkoordinator Hagen Boßdorf seinen neuen Vertrag, dessen
Verlängerung der ARD so viel Ärger bereitete, «überhaupt unterzeichnet».Jedenfalls bleibe sein «Mikrofon-Verbot» bestehen, er «wird in diesem Jahr kein Radrennen mehr kommentieren»
('Berliner Zeitung'), lässt die ARD verlauten, als sei das ein Bonbon für die Öffentlichkeit.Mehr ARD-Probleme: Die
'Berl.' versucht ferner Licht in die Lage der umstrittenen PC-Gebühren zu bringen und beschreibt das Dilemma Schleswig-Holsteins, dessen Politiker diese Zusatzgebühr gern verhindern würde:«Kann es die anderen Länder nicht überzeugen, muss es gegen seine Überzeugung für die 5,52 Euro-Lösung stimmen», andernfalls müssten Betroffene am Ende gar 17,03 Euro für Computer zahlen.
«Ist die ARD auf dem Weg zur Mafia?», wird dann noch das bekannte Urgestein Friedrich Nowottny gefragt.
«Das ist ja nicht mein Bier», entgegnet Nowottny zunächst; auf Nachfrage aber macht er es sich zu seinem und spricht, obwohl er ansonsten Lanzen für die ARD bricht, von Sittenwidrigkeit beim o.g. Ullrich-Vertrag.
Das
Interview steht im «Tagesspiegel» aus dem Holtzbrinck-Verlag, in dem gerade wieder nicht so gute Stimmung herrscht. In Düsseldorf, bei der Verlagsgruppe Handelsblatt, steht ein «Blutbad» im übertragenen Sinn bevor. Mehr in der «taz».Am Freitag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.
Für das Web ediert von Christian Bartels

