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Leider führt sie nur durch eine 'Unterhaltungssendung': Sandra Maischberger (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Leider führt sie nur durch eine 'Unterhaltungssendung': Sandra Maischberger
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Fast alle erregen sich über den Unterhaltungs-Sender ARD, der inzwischen hofft, dass Hagen Boßdorf seinen neuen Vertrag nicht annimmt. Außerdem: ein «Blutbad» im betriebswirtschaftlichen Sinn, und Vorwürfe gegen Gesine Schwan.

Sandra Maischbergers jüngste Sendung war nach etwas zerfasertem Beginn ein gutes Exempel von aufklärerischem Fernseh-Talk.
Der seit einer Nazi-Attacke querschnittsgelähmte Noël Martin stellte gute Fragen, außer den hiergenannten Gästen war auch eine Aussteigerin aus der rechtextremen Szene zugegen, die mit Mord bedroht wird und sich daher nur «optisch verändert» zeigte.

Bedrückend wurde Bedrohlichkeit spürbar. Fast hätte auch noch NPD-Mann Udo Voigt dort gesessen.
Michel Friedman plädierte dafür, sich «öffentlich mit einem NPD-Vertreter auseinander zu setzen». Doch der Maischberger-Sender WDR hatte Voigt «ein-, dann wieder ausgeladen».

«Unser Format als Unterhaltungssendung ist nicht das Richtige», sagte der

'taz' Redaktionsleiter Carsten Wiese dazu.

Zur Frage nach dem Umgang mit den «Repräsentanten in Braun» hat Steffen Grimberg einige Experten befragt.
Frank Plasberg spricht von «Mitleidseffekten», die sich der «Wirkungspsychologie» des Fernsehens wegen nicht verhindern ließen, und will keine Rechtsextremen einladen.
Claus Strunz, der gemeinsam mit Peter Glotz Voigt schon mal in einer Talksendung hatte, meint: «Es kann journalistisch funktionieren», durch «beharrliches Nachfragen und Ausredenlassen» im «direkten Streitgespräch».

Es gibt zur aktuellen TV-Berichterstattung eine «Wahlbetrachtung» Voigts auf der NPD-Webseite, aus der die «taz» auch zitiert. Weil weggucken nichts hilft:

Hier ist der Link.
«ARD bekommt kalte Füße?», lautet die Überschrift. Gleich im ersten Absatz empört sich Voigt, «daß wir für solche unsachlichen Gestalten auch noch Fernsehgebühren zahlen müssen».

Es spricht natürlich für die ARD, dass sich die ganze Gesellschaft bis an die äußersten Ränder über sie erregt. Umso sichtiger wäre, dass die ARD Kompetenz und Haltung beweist und sich nicht immer auf «Unterhaltung» zurückzieht.

In diesen Hinsichten gibt es leider gerade viel Luft nach oben. Heute auf fast allen Medienseiten: Meldungen, wonach noch ungewiss sei, ob der vielfach umstrittene Sportkoordinator Hagen Boßdorf seinen neuen Vertrag, dessen

Verlängerung der ARD so viel Ärger bereitete, «überhaupt unterzeichnet».

Jedenfalls bleibe sein «Mikrofon-Verbot» bestehen, er «wird in diesem Jahr kein Radrennen mehr kommentieren»

('Berliner Zeitung'), lässt die ARD verlauten, als sei das ein Bonbon für die Öffentlichkeit.

Mehr ARD-Probleme: Die

'Berl.' versucht ferner Licht in die Lage der umstrittenen PC-Gebühren zu bringen und beschreibt das Dilemma Schleswig-Holsteins, dessen Politiker diese Zusatzgebühr gern verhindern würde:
«Kann es die anderen Länder nicht überzeugen, muss es gegen seine Überzeugung für die 5,52 Euro-Lösung stimmen», andernfalls müssten Betroffene am Ende gar 17,03 Euro für Computer zahlen.

«Ist die ARD auf dem Weg zur Mafia?», wird dann noch das bekannte Urgestein Friedrich Nowottny gefragt.
«Das ist ja nicht mein Bier», entgegnet Nowottny zunächst; auf Nachfrage aber macht er es sich zu seinem und spricht, obwohl er ansonsten Lanzen für die ARD bricht, von Sittenwidrigkeit beim o.g. Ullrich-Vertrag.

Das

Interview steht im «Tagesspiegel» aus dem Holtzbrinck-Verlag, in dem gerade wieder nicht so gute Stimmung herrscht. In Düsseldorf, bei der Verlagsgruppe Handelsblatt, steht ein «Blutbad» im übertragenen Sinn bevor. Mehr in der «taz».

Altpapierkorb
«Gesine Schwan zu weit gegangen»: Die Polenbeauftragte der Bundesregierung hat in der Tageszeitung «Rzeczpospolita» über Thomas Urban, den Warschauer Korrespondenten der «Süddeutschen», u.a. geschrieben: «Seit Jahren aktiver Befürworter des Zentrums gegen Vertreibungen Erika Steinbachs», habe er «nach Eröffnung der Ausstellung in vielen Artikeln das negative Bild Polens bestätigt». So zititert es die «FAZ». Urban leide seither unter «Telefonterror», «Ich werde als Polen-Feind beschimpft, als Nazi und als SS-Mann», auch «sein vierzehnjähriger Sohn und seine Frau würden am Telefon und beim Einkaufen beschimpft» u.v.a. Der Artikel von Andreas Mix & Olaf Sundermeyer steht auf der der «FAZ»-Medienseite 40, derzeit nicht frei online. +++ Weitere Themen der düster gestimmten «FAZ»-Medienseite: die «Todesliste» ermordeter Journalisten ('49 Journalists killed so far in 2006'), der Prozess wegen «öffentlicher Herabwürdigung des Türkentums», der gegen die Autorin Elif Shafak in Istanbul geführt wird. +++ Gut drauf, geradezu heiter: die «SZ»-Medienseite 15. Es geht um Moonty Python's Flying Circus (anno '71 eine Produktion der ARD!), das 30-Jährige der NDR-Scherzsendung 'extra 3' (siehe auch 'Berl.') und um die Kölner Spaßfabrik Brainpool: Nach den Gründern Jörg Grabosch und Ralf Günther hat nun auch Stefan Raab seinen Vertrag gekündigt; er will «nicht Gefahr laufen, mich mit irgendeinem Viacom-Mitarbeiter, den ich nicht kenne, herumschlagen zu müssen», sondern dann schon lieber ohne Brainpool für Pro Sieben produzieren. +++ Schon wieder ein neuer Fernsehsender: Motor TV im Internet ('Berl.'). +++ «Personalabbau durch Frustration»: laut 'taz' das Rezept Josef Depenbrocks. +++ 'Streit um Stellenabbau' bei der «L.A. Times». +++ Im eisernen Griff des autoritär regierenden Staatschefs: Weißrusslands Presse. Die 'Rundschau' berichtet. +++ Am heimischen
Kiosk entdeckte sie die «existenzielle», 'das Magazin für selbstständige Frauen'. +++ Hätten Sie's gewusst? Es gibt auch einen «ARD-Radsportsprecher». Rolf-Dieter Ganz heißt er, und sprach mit dem 'Tsp.', weil die European Broadcasting Union gerade eine Linie im «Kampf gegen Doping bei Sportveranstaltungen» sucht.

Am Freitag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.


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