14.11.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Walter Seledec
Foto: Stadt Wien
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Eine interne Kommission soll das «inkriminierte Verhalten» von ORF-Chefredakteur Seledec untersuchen. Seine Kollegen werfen ihm mangelnde journalistische Unabhängigkeit vor.
Der Österreichische Rundfunk (ORF) hat seinen Chefredakteur Walter Seledec beurlaubt. ORF-Generaldirektorin Monika Lindner setzte eine interne Kommission ein, um das Verhalten Seledecs dienstrechtlich zu prüfen. «Die Kommission soll Gelegenheit geben, das inkriminierte Verhalten nach rechtsstaatlichen Grundsätzen und umfassend zu beurteilen», teilte der ORF mit.
«Übliche Maßnahme» Die Beurlaubung Seledecs sei «nicht als Vorverurteilung, sondern als übliche und zweckmäßige Verfahrensmaßnahme zu verstehen», hieß es beim ORF weiter.
Der Redakteursrat des ORF wirft dem Chefredakteur vor, gegen das Gebot der «Unabhängigkeit von Staats- und Parteieinfluss» verstoßen zu haben. Er verlangte in der vergangenen Woche die Absetzung. Auslöser der Kritik ist die Teilnahme Seledecs an einer Kranzniederlegung für den NS-Luftwaffenoffizier Walter Nowotny am Sonntag vor einer Woche. Zuvor hatte Seledec bereits für Aufsehen gesorgt, als er eine Traueranzeige der FPÖ unterzeichnete.
Seledec: «trifft nich hart»«Es trifft mich schon hart, dass meine Kollegen nicht in offener Feldschlacht, sondern verdeckt gegen mich auftreten, sozusagen im Partisanenkampf», kommentierte Seledec im Magazin «profil» die Rücktrittsforderungen der Redakteursversammlung. «Ich erwarte jedenfalls, dass die ORF-Führung hinter mir steht.»
Ein Ergebnis der Untersuchung gegen Seledec wird noch im November erwartet. Es gilt laut «Standard» aber als unwahrscheinlich, dass es zu einer fristlosen Entlassung kommt. Formal ist Seledec bereits zum Ende 2006 gekündigt. Dann erreicht der 60-Jährige das Pensionsalter. (nz)