netzeitung.de«Es wird weitere Wedels geben»

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Hans Janke (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Hans Janke
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das ZDF setzt im kommenden Jahr verstärkt auf Unterhaltung. Im Gespräch mit der Netzeitung äußert sich Hans Janke, stellvertretender Programmdirektor des ZDF und Leiter der Fernsehspielredaktion, über den Stand des Fernsehfilms im Zweiten.

Netzeitung: Herr Janke, dass Sie dabei sind, wenn das ZDF sein Jahresprogramm 2003 präsentiert - bedeutet das, dass Sie nun beim Sender bleiben und nicht zum WDR oder zu einer anderen ARD-Anstalt gehen, wie unlängst wieder spekuliert wurde?

Hans Janke: Ich bin bekanntlich nicht sprachlos. Aber ich habe mich in all der Zeit zu den Spekulationen nicht geäußert, ich lese manches und war oft sehr erstaunt, auch jetzt wieder - aber ich kann das wirklich nicht kommentieren.

Netzeitung: Zumindest hat sich Ihr Einflussbereich beim ZDF vergrößert, Sie sind für alle fiktionalen Programme zuständig.

Hans Janke: Meine Entscheidung, zu gehen oder zu bleiben, war überhaupt nicht davon abhängig, ob mein Bereich größer würde, oder ich irgendwelche Epauletten bekäme. Was ich jetzt zu tun habe, steht seit je in der Berufsbeschreibung des stellvertretenden Programmdirektors beim ZDF.

Es ist deswegen akzentuiert worden, weil das notwendig war: Es gibt im Sender drei große Hauptredaktionen, in denen fiktionales Programm entsteht, Fernsehfilme, Kinokoproduktionen, «Kleine Fernsehspiele». Wir leisten uns da eine Binnenkonkurrenz und Unübersichtlichkeit, die nach innen wie nach außen nicht mehr richtig ist. Insofern ist es nur ein vernünftiger Versuch, an der Struktur zu arbeiten.

Netzeitung: Das ZDF hat ein Sparprogramm beschlossen. Heißt das, dass Sie weniger Filme herstellen?

Hans Janke: Wenn man berücksichtigt, dass nichts billiger wird, müssen wir sagen: Mit dem, was wir haben, können wir nicht mehr Sendungen produzieren, sondern wahrscheinlich ein bisschen weniger. Weniger von allem, denn wir werden nicht Geld vom Fernsehfilm zur Serie verschieben. Wir wollen die Termine am Montagabend mit dem Fernsehfilm und am Samstag mit Krimis bedienen und bekommen einen neuen Termin dazu, Sonntagabend gegen 22.00 Uhr.

Das Niveau, das wir in diesem Jahr am Montag mit 28 Premieren hatten, wird nicht leicht zu halten sein. Wir werden aber öfter mit Filmförderungen zusammenarbeiten und weniger Filme ganz allein finanzieren, wie zum Beispiel den Wedel-Sechsteiler «Die Affäre Semmeling».

Netzeitung: Wird es weitere Wedels im ZDF geben?

Hans Janke: Ja, «Mama und Papa», eine Scheidungsgeschichte. Aber kein großer Sender wird mehr so leicht Sechsteiler produzieren. Drei Teile sind heute schon das Nonplusultra.

Netzeitung: Demnächst zeigt das ZDF die Mehrteiler «Napoleon» und den Kostümfilm «Trenck - Zwei Herzen gegen die Krone». Geht der Trend zu historischen Stoffen?

Hans Janke: Man muss in der Geschichte Stoffe suchen, die sich fürs dramatische, emotionalisierende Fernsehen eignen. Ich würde aber auf keinen Fall fragen, welche Figur noch nicht erzählt wurde. Ein guter Stoff könnte die Familie Krupp sein. Wir stellen jetzt gerade in der Buchentwicklung fest, wie schwierig das ist, und werden daraus nur einen Film machen, wenn es geht. Nicht, um einen Trend zu bedienen. «Auf interessante Weise erzählbar», das muss das Kriterium sein.

Netzeitung: Auch eine internationale Koproduktion über Augustus wird nach dem «Napoleon»-Muster gedreht. Nach dem Zusammenbruch des Kirch-Konzerns, der «Napoleon» noch produziert hatte, scheint es bruchlos weiter zu gehen.

Hans Janke: Bei solchen Produktionen scheinbar. Aber ich fürchte, die Kirch-Krise wird noch Jahrzehnte lang Auswirkungen haben. Vor ein paar Jahren schien es, als könnten wir die besten Autoren und Regisseure nicht im ZDF halten, weil die Privatsender aufwändiger drehten. Jetzt produzieren sie viel weniger als früher, und das ZDF wird beansprucht, die Produzentenszene zu stabilisieren.

Netzeitung: Welche Filme werden Sie am späteren Sonntagabend zeigen?

Hans Janke: Kinokoproduktionen, unsere Mankell-Verfilmungen etwa und auch Fernsehfilme wie «Jenseits» von Max Färberböck. Der war um 20.15 Uhr auf furchtbare Weise verloren. Der hoch gelobte Film «Himmelreich auf Erden» hatte am vergangenen Montag 2,7 Millionen Zuschauer - nicht mal 7 Prozent Marktanteil. Einerseits ist das für den Montagabend viel zu wenig, andererseits sind wir dafür da, genau solche Filme zu produzieren. Also müssen wir die Möglichkeit haben, die einen Produktionen auf einen Sendeplatz und andere auf einen anderen zu tun.

Netzeitung: Hätten sie zu einem späteren Termin mehr Zuschauer?

Hans Janke: Nicht mehr, aber sie treffen ihr Publikum besser. Ich könnte sagen: Mir sind die drei Millionen um 22.00 Uhr lieber als die drei Millionen um 20.15. Ich würde meine Geschichte nicht in eine hoffnungslose Lage schicken - und hätte einen besseren Marktanteil.

Netzeitung: Auch um 20.15 Uhr am Sonntagabend laufen im ZDF oft Fernsehfilme, Pilcher-Verfilmungen, «Traumschiff» und ähnliche Produktion. Auch die ARD stellt seichte Eigenproduktionen in gewaltigem Ausmaß her. Nimmt deren Anzahl zu, weil die Zuschauer das sehen wollen?

Hans Janke: Der Sonntagabend soll so sein, das wollen die Zuschauer tatsächlich sehen. Aber dass solche Produktionen insgesamt mehr werden, ist falsch, die Anzahl bleibt gleich. Ich finde zwar durchaus, dass wir am Montag seit geraumer Zeit zu ambitioniert, schwer und arty sind. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht die Kirche leer predigen. Wenn Sie mich aber fragen, ob es weiterhin Qualitätsfilme wie «Toter Mann» gibt, kann ich Ihnen schwören (was das erste Mal in meinem Leben wäre): Die wird es geben. Und auch vom «Kleinen Fernsehspiel» nehmen wir keinen halben Euro weg.


Mit Hans Janke sprach Christian Bartels