Geschenkpapier vom Freitag
26.10.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Zu Beginn ein bisschen Klatsch gefällig? Helmut und Noch-Gattin Danièle Thoma erzählen im Münchner Fachorgan für Politik und Medien, in «Bunte» also (Seite 55), was sich bei RTL Neues tut. Demnach sucht RTL-Chef Gerhard Zeiler gerade einen neuen Job. Und der Mahr-Hansi, dieser «servile Schmeichler» (O-Ton Helmut Thoma) sowieso. Er liebäugelt sogar mit dem ZDF, verrät Thoma und sagt: «Was für ein Fehler, dass ich ihn zu RTL geholt habe.»
Nun zu den ernsteren Dingen des Lebens. Es geht um Geld und Ehre: Der Börsenhype ist vorbei, manche trauen sich schon gar nicht mehr, Aktientipps zu geben. Damit redet auch keiner mehr über «allgemein verbindliche Regeln für den Wertbesitz von Wirtschaftsjournalisten». Das Argument, dass mancher Wertbesitz von Wirtschaftsjournalisten vielleicht gar nicht mehr so viel wert ist, mag Martin Reim von der «SZ» nicht gelten lassen. Vielmehr sei »noch nicht abschließend geklärt, ob die Regeln rechtlich zulässig sind«.
«Süddeutsche», «taz» und «FAZ» beschäftigen sich wieder mit der Intendanten-Nachfolge beim ZDF. Die «taz» beschränkt sich in Erinnerung an einen Artikel in der
'Süddeutschen' noch auf Wolfgang Clements Einmischungen und kürt Jan Mojto zum potenziellen Stolte-Erben. Michael Hanfeld erinnert in der «FAZ» an die Historie, als man sich schon einmal nicht auf einen Kandidaten einigen konnte. Damals, vor 24 Jahren, übernahm dann ein Interimsmann den ZDF-Posten. Klaus Ott plaudert derweil aus, was sich Helmut Reitze vom SPD-Freundeskreis anhören musste.Das baldige Aus für »Max-TV« ist den meisten Zeitungen keine Zeile, der »Berliner Morgenpost« ein paar, der »Berliner Zeitung« aber ein Aufmacher wert. Inklusive Seitenblicken zu »Spiegel TV«, »Focus TV« und »Stern TV«. Bei der Milchstraße habe man festgestellt, dass »ein erfolgreiches Print-Objekt kein Garant für einen Fernseh-Erfolg ist - sondern ein »teures Vergnügen«, hat sich Sabine Rennefanz erzählen lassen. Außerdem hätten »Max« und »Max TV« so gut wie nichts miteinander zu tun: Während nämlich »das Blatt versucht, politisch und gesellschaftlich Brisantes ans Licht zu holen, interviewt Susann Atwell Society-Ladys und berichtet über Schönheits-Ops.«
Geschenkpapierkorb
Die
'Welt' fand beim Treffen der Ministerpräsidenten, die Diskussion über den Jugendschutz sei wichtiger als der Beschluss zur Neuordnung der Rundfunkgebühren. ++ Und weil die Seite noch nicht voll war und eine Optik brauchte, gab Jörn Lauterbach einen TV-Tipp zu Günther Jauchs SKL-Show. Er endet mit dem Hinweis: «wirklich kein Anlass, diesen Quiz-Abklatsch anzusehen». ++ Wer hätte das gedacht: Michel Friedmann blieb die Spucke weg. Aber nur für einen Moment. Geschafft hat das CDU-Politiker Wolfgang Schäuble. (Mehr in der 'Frankfurter Rundschau'). ++ Dort steht zwar nichts über die neuen Berlin-Seiten der «taz» (taz-plan), aber dafür, warum «taz»-Redakteure lechts und rinks verwechseln. Und die DaimlerChrysler-Unternehmensberater sollen dem «als linksalternativ geltenden» Blatt kein neues inhaltliches Profil geben, wie manche Redakteure glauben, sondern sich über betriebswirtschaftliche Strukturen Gedanken machen. ++ Außerdem schreibt die 'Frankfurter Rundschau' über eine Reporterin, deren Tarnung in Afghanistan aufflog. Jetzt sind ihre Helfer verschollen.Nicht zu vergessen: Der Tagesspiegel, der aus aktuellem Anlass hinter die anderen zurücktritt: Dort geht es um die Reform der Rundfunkgebühren, um
Klaus Schrotthofers Wechsel zum Bundespräsidenten und die Frage, ob die «Stuttgarter Zeitung» den designierten Chefredakteur Uwe Vorkötter nun schneller ziehen lässt. Im Fernsehmuseum werden Erinnerungen an Loriots Steinlaus wach. Außerdem testet Gruner+Jahr Andreas Leberts neue Mütter-Zeitschrift Mom. Die Motor-Presse Stuttgart hat ihre Konsequenzen gezogen, nachdem ihr IVW-Betrug aufgeflogen ist. Verlagschef Frieder Stein wird geopfert. Nachfolger ist Ex-Springer-Vorstand Christian Delbrück.So. Und jetzt freu' ich mich auf das Altpapier von morgen, dann kann ich mich nämlich wieder gemütlich zurücklehnen. Und meinem Kollegen Christoph Schultheis wünsche ich gute Erholung an seinen altpapier-freien Tagen.
Der Geschenkpapierkorb füllt sich am Samstagmittag um 12 Uhr erneut - und zwar mit einem Gastbeitrag von Steffen Grimberg («taz»).
Für die NZ ediert von Ulrike Simon («Der Tagesspiegel»)

