netzeitung.deSpäte Versöhnung

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Deutschland hat in der belgischen Stadt Dinant in den Ardennen für ein Massaker im Ersten Weltkrieg um Vergebung gebeten.

DINANT. Deutschland hat sich fast 90 Jahre nach einem an belgischen Zivilisten im Ersten Weltkrieg verübten Massaker für die Untat entschuldigt. «Ich möchte Sie alle bitten, das von Deutschen in Ihrem Lande damals begangene Unrecht zu vergeben», sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Walter Kolbow (SPD), am Sonntag im wallonischen Dinant bei einer Versöhnungsfeier.

In dem Ardennen-Städtchen hatten deutsche Truppen im August 1914 beim Vormarsch nach Frankreich 674 Bürgerinnen und Bürger erschossen und 750 Gebäude zerstört. Seither lehnten es die Bewohner Dinants ab, die deutsche Flagge in ihrer Stadt zu hissen. Mit der Versöhnungszeremonie, an der neben ranghohen Politikern auch Soldaten und Schüler beider Länder teilnahmen, endet nun dieses Kapitel der deutsch-belgischen Geschichte. Die Initiative zu dem Festakt war vom Bürgermeister der 12000 Einwohner zählenden Stadt, Richard Fournaux, ausgegangen.

Sinnlose Grausamkeit
«Über die Zerstörungen des Krieges hinaus haben unter anderem auch gerade hier in Dinant wie in vielen anderen Städten und Dörfern Belgiens Menschen unter sinnloser Grausamkeit und unter Verbrechen, die im Kriege begangen wurden, leiden müssen», sagte Kolbow. Dass die Entschuldigung von deutscher Seite so spät kam, begründete der Staatssekretär einerseits mit der «nationalistischen Verblendung» der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. «Und nach dem Zweiten Weltkrieg verdrängten die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes häufig die längst fällige Auseinandersetzung mit bereits zuvor begangenem Unrecht», sagte Kolbow weiter.

Lange Zeit hatte Deutschland auf der Darstellung beharrt, Bürger von Dinant hätten an der Seite der Franzosen auf deutsche Soldaten geschossen. Diese Auslegung der Ereignisse wurde von belgischer Seite stets bestritten. Von einer Entschuldigung der deutschen Regierung hatten die patriotischen Vereinigungen von Dinant aber ihre Zustimmung zu einer offiziellen Versöhnungsfeier abhängig gemacht. (dpa)